Bretagne 2002

11. bis 24. August 2002

 

Nach wenigen Autostunden erreichen wir am frühen Abend Vezelay in Burgund, im Mittelalter ein bedeutendes Kloster, Wallfahrtsort und wichtige Etappe auf dem Jakobsweg.

Ein originelles Schild weist uns den Weg zum Atelier eines Malers und Bildhauers, der uns in historischem Gemäuer ein Zimmer anbietet.

In der Basilika Sainte-Madeleine, in der Bernhard von Clairvaux am 31. März 1146 zum zweiten Kreuzzug aufgerufen hat,

beeindrucken uns die Pfeilerkapitelle mit ihren Motiven. (Links die "Mystische Mühle", rechts "David und die Amalekiter"

Auf unserem Weg in die Bretagne machen wir auch Halt in Bourges mit seinem gotischen Dom. Die alten Kirchenfenster interessieren uns ebenso

wie die alte astronomische Uhr mit Mondphasen und 24-Stunden-Ziffernblatt. 

Zwei Tage quartieren wir uns auf einem umgebauten Bauernhof bei Laval ein. Von dort aus besuchen wir Fougères, die historische Festung an der Grenze zwischen der Bretagne und dem alten Frankreich.

Obwohl die alten Türme uneinnehmbar wirken, wurde die Stadt doch einige Male erobert - oft durch List und Verrat.

An den alten Mauern haben sich interessante Pflanzen wie der Streifenfarn (Asplenium trichomanes) niedergelassen.

In der gotischen Kirche St-Sulpice findet man das alte Wappen der Bretagne (mit den Hermelinmotiven).

Den berühmten Mont St-Michel sehen wir nur aus der Ferne - die Autolawine der Touristenmassen läßt uns die Flucht ergreifen.

Statt dessen besuchen wir Cancale, das Zentrum der bretonischen Austernzucht. Hier kann man Austern nicht nur fangfrisch kaufen, sondern auch gleich verzehren.

Vitré gilt als die schönste historische Stadt der Bretagne. Wie in Fougères beeindruckt uns die gewaltige Festung mit ihren Türmen und Mauern.

Aber auch die engen Gassen mit ihren schiefen Häusern laden zum Schlendern ein. 

In St. Antoine, 10 km nördlich von Morlaix finden wir unser endgültiges Quartier.

Von hier aus besuchen wir häufig unseren Lieblings-strand "Lieue de Grève", wo wir den Surfern und Strandseglern zuschauen oder zwischen Ebbe und Flut am kilometerlangen Strand  Muscheln suchen.

Die Rundfahrt zu den umfriedeten bretonischen Friedhöfen, "Enclos Parroissiaux", ist eine Fahrt zurück in vergangene Jahrhunderte.

Die düsteren Granitfiguren auf dem Calvaire von St. Thégonnec sind Zeugnis bäuerlicher Frömmigkeit. 

Auch in Guimiliau gibt es einen Kalvarienberg mit mehr als 200 Figuren - ebenso in Lampaul. Irgendwie passt das Wetter zu der Karfreitagsstimmung:

Als wir später am Roc Trévezel (384 m), einem der höchsten Berge der nördlichen Bretagne wandern wollen, regnet es in Strömen.

Ein halbe Stunde später sind wir in Huelgoat, einem der schönsten Orte der inneren Bretagne. Vom Dorf aus, das von einem kleinen See und dichten Wäldern umgeben ist,

wandern wir durch das berühmte Felsenmeer mit so geheimnisvollen Plätzen wie "Grotte du Diable" und "Grotte d'Artus".

Einige Tage später besuchen wir Brest mit seinem berühmten Meerwasseraquarium, Océanopolis.

Drei große Aquarien, die den Atlantik, das Polarmeer und die Südsee mit ihren tropischen Korallenriffen präsentieren, erlauben einen unmittelbaren Blick auf Haie, Muränen, Hummer und Pinguine. 

Die Kathedrale St-Tugdual in Tréguier mit ihrem Kreuzgang und den auf ihren Gräbern ruhenden Rittern  beeindruckt uns durch ihre astreine Gotik.

Hier ist auch St-Yves, der hl. Ivo, Schutzpatron der Juristen begraben. Im Trésor kann man noch seinen Schädel sehen.

Dann erreichen wir am "Pointe du Château" den nördlichsten Punkt der Bretagne. Hier finden wir auch das berühmte "Haus zwischen den Felsen".

Im Früh-Sommer brüten hier zu Tausenden Möven, Lummen und Papageitaucher. Jetzt sehen wir vereinzelt Baßtölpel im eleganten Segelflug auf dem Weg nach Süden. 

Rostroter Granit in bizarren oder eleganten Formationen,

türkisblaue Buchten, tosende Brandung, der Schrei der Möven und eine Aussicht bis zur Insel Guernsey begleiten uns auf unserer Strandtour.

Angenehm überrascht sind wir vom Klima, das wir in der Bretagne vorfinden. Gezeiten, Wind und Regen erinnern uns an die Nordsee - Pinien, Sonne und Wärme eher ans Mittelmeer.

Kein Wunder, daß wir neben Obst, Mais und vielen Gemüsesorten vor allem Felder mit Artischoken finden.

An einem der letzten Urlaubstage wandern wir von St-Jean-du-Doigt auf einem alten Schmugglerpfad die Steilküste entlang. Der schmale Weg ist teilweise recht steil und folgt jeder Bucht.

Wir begegnen nur wenigen Wanderern; unter uns, auf den Klippen in der Bucht, sehen wir Kormorane und Mantelmöven.

Obwohl der Sommer schon fast vorbei ist, blühen am Weg noch manche Pflanzen. Der Meerfenchel wagt sich bis zur Brandung vor,

das Heidekraut hat seine Blütezeit gerade erst erreicht.

Die blaue Jasione ist eng verwandt mit der Taufelskralle,

während das Tausendgüldenkraut zu den Enziangewächsen gehört.

Am Ende unseres Urlaubs steht fest: Wir kommen wieder - vielleicht einmal an Pfingsten.

Dann werden wir wieder zwischen Ebbe und Flut den Spülsaum erforschen

und über der Brandung den Flug von Baßtölpel und Seeschwalbe verfolgen.


Abend in der Bucht von Morlaix
(links "Château du Taureau", rechts "Port Terenez")

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