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Genau so habe ich mir den Ort vorgestellt, an dem ich meinen Geburtstag feiern wollte: Ein kleines Hotel, steil über dem Meer, mit Blick nach Süden, angenehme Temperaturen, Abende im Freien, am Morgen ein Bad im Meer, freundliche Menschen, entspanntes Ambiente, Nachsaison, gelassener Aktiv-Urlaub. So macht es Spaß, 60 Jahre alt zu werden. |
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Fährt man auf der gut ausgebauten Küstenstraße von Antalya nach Süden, so stößt man nach ca. 80 km auf das Hinweisschild Olympos. Von hier führt eine schmale, kurvenreiche Straße steil ins Tal und endet nach 8 km in Çıralı. Das kleine Dorf mit seinen vielen Pensionen und Restaurants liegt an einer der schönsten Badebuchten der Türkei, dem 3 km langen Kiesstrand von Olympos. Der Berg Olymp, welcher die Bucht überragt und der antiken Stadt den Namen gegeben hat, ist einer von über zwanzig Bergen in Anatolien und Griechenland, die unter diesem Namen in der Antike als Göttersitz bekannt waren. Der lykische Olymp ist 2375 Meter hoch und heißt heute Tahtalı Dağ. |
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Gleich am Dorfeingang und nur wenige Meter vom Meer entfernt beziehen wir für drei Tage Quartier in der "Pansiyon Yavuz" [link]. Im gepflegten Garten werden wir von Fächerpalmen, Hibiskus und Bougainvilleas begrüsst. Im Schatten einer mächtigen Platane frühstücken wir jeden Morgen im Freien. Über uns ruft ein Bülbül. |
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Um diese Jahreszeit sind die Bäume voller blutroter Granatäpfel, aus denen man einen köstlichen Saft bereiten kann. |
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An der Mündung des kleinen Süßwasserflusses beginnt das Gebiet der antiken Stadt Olympos. Um das Jahr 100 v. Chr. zählte Olympos zu den bedeutendsten Städten in Lykien. Nachdem der kilikische Pirat Zeniketes sich in Olympos festgesetzt hatte, wurde die Stadt 78 v. Chr. von den Römern erobert und geplündert. |
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Neben den Resten eines Tempels, an dessen Statuenbasis eine Weihinschrift von Kaiser Marc Aurel aus dem Jahre 172 n.Chr. zu finden ist, beeindruckt uns besonders die Nekropole mit den reich verzierten und behauenen Sarkophagen. Vom kleinen Theater sind nur noch der Eingangsbogen und einige Sitzreihen erhalten. |
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| Unweit von Olympos, bei der Siedlung Yanartaş (türk. "brennender Stein") kann man ein Phänomen beobachten, das seit der Antike bekennt ist: Ausströmendes Erdgas unterhält eine im Altertum weithin vom Meer aus sichtbare brennende Flamme. Hier soll der die Chimäre gewohnt haben, ein Ungeheuer "vorne ein Löwe, in der Mitte eine Ziege und hinten eine Schlange", die vom lykischen Helden Bellerophon getötet wurde. Das ewige Feuer erklärt auch, warum in Olympos Hephaistos als Hauptgott verehrt wurde. Der hinkende und hässliche, aber geniale Kunstschmied, der Erfinder, Künstler, Feuergott (bei den Römern "Vulkanus" genannt) und Gemahl der Aphrodite war einer der wichtigsten und schillerndsten Götter der griechischen Mythologie. | |||||
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| Phaselis, ca. 10 km nördlich von Olympos, besuchen wir an einem der nächsten Tage. Malerisch auf einer Halbinsel gelegen hatte die antike Stadt drei natürliche Häfen, die heute zu den schönsten Badebuchten der Türkei zählen. | |||||
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| Mittelpunkt und Lebensader der Stadt ist die bis 24 m breite und 150 m lange, gepflasterte Hauptstraße mit höher liegenden Trottoirs. Ein eigenartiges Gefühl, hier zu flanieren, wo sich im Winter 334/333 v. Chr. Alexander der Große aufhielt. Von ihm berichtet Plutarch, daß er hier, vom Wein berauscht, auf dem Heimweg von einem Trinkgelage seinen Gefährten die Kränze von den Häuptern nahm und beschwipst ein Denkmal des Theodektes bekränzte. | |||||
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Was mögen das für
Häuser gewesen sein, zu denen so prächtige Portale führten? |
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Im 6. Jahrhundert v. Chr. war Phaselis persische Flottenbasis, die erst 469 v. Chr. von Kimon von Athen befreit wurde. Heute ankern in der flachen Bucht die Schiffe mit den Tagestouristen aus Kemer und Antalya. |
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| Myra (Kale) bietet die eindrucksvollste Felsnekropole der lykischen Küste. Die im Gegensatz zu den Sarkophagen in Kekova sehr geräumigen Felsengräber zeigen an der Außenseite Reliefs mit Szenen vom Familienleben, Krieg und Tod. | |||||
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| Eindrucksvoll ist auch das Amphitheater von Myra, dessen Cavea einen Durchmesser von 110 m besitzt. | |||||
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Einer der Vorteile der Nachsaison ist der spürbare Mangel an Touristen; da kann es schon mal vorkommen, dass man ganz allein im großen Theater sitzt und auf die Show wartet - wie Berthold, Reihe 11, Platz 27. |
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| Vor dem Theater finden sich Fragmente vom Maskenfries des römischen Bühnenhauses. In den Touristenbasaren werden Bilder und Andenken des Hl. Nikolaus verkauft, der um 260 n.Chr. in Patara geboren und später als Bischof von Myra bekannt und verehrt wurde. Überall werden auch blaue Amulette "gegen den bösen Blick" angeboten. | |||||
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| Durch eine waldreiche und erstaunliche grüne Landschaft erreichen wir über eine imposante Serpentinenstraße das Städtchen Kaş, in der Antike als Antiphellos bekannt. Noch im Jahre 1923 war Kaş eine mehrheitlich griechische Stadt. Heute boomt der einst so verträumte Ort und ist Wohnort von Intellektuellen und Künstlern. Unser Hotel liegt auf einer Halbinsel, die sich weit nach Westen in die Ägäis erstreckt. Gespannt folgen wir der gewundenen Straße. | |||||
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| Auf einem extrem abschüssigen Sträßchen erreichen wir endlich unser Hotel Tamara [link] und sind sofort begeistert: Von der großzügigen Terrasse und dem Balkon hat man einen atemberaubenden Blick über die Bucht von Kaş bis hinüber zur griechischen Insel Megisti (Kastellorizon), die nur wenige Kilometer entfernt ist. | |||||
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| Die rustikale, aber äußerst geschmackvolle Architektur mit Arkaden, Nischen, Rundbögen und einer ausgewachsenen Palme im Innern des Hauses lädt ein zum Relaxen und Entspannen. Von den 18 Zimmern und 8 Suiten sind jetzt im November höchstens ein Drittel belegt. So hat das freundliche Personal Zeit, unsere Betten mit roten Bougainvilleablüten zu bestreuen, was dem ganzen Aufenthalt einen Hauch von "Honeymoon" beschert. | |||||
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| Vom Hotel führt ein gepflasterter Weg hinunter zu einem Badeplatz, wo wir uns mit Baden, Lesen und Faulenzen die Zeit vertreiben und "hinüber nach Griechenland" schauen. Wir können uns allerdings auch gut vorstellen, wie es ist, wenn hier im Sommer mehr als 40 Grad Hitze herrschen! | |||||
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| Etwa 5 Kilometer sind es vom Hotel in das Städtchen Kaş. Direkt an der Straße und der Ägäis zugewandt liegt hier das Theater von Antiphellos aus hellenistischer Zeit. Von den obersten der 26 Sitzreihen hat man über die Ölbäume hinweg einen herrlichen Blick auf die Bucht und die vorgelagerten Inseln. | |||||
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| Kaş am Abend mit seinen belebten Gassen, Kneipen und Geschäften lädt ein zum Bummeln, Einkaufen und Essen - natürlich unter freiem Himmel - zum Beispiel im Restaurant Eriş. - Irgendwie erinnert mich die Stadt an Meersburg. | |||||
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| Von Kaş aus unternehmen wir Ausflüge in die Umgebung, zum Beispiel in das Fischerdorf Üçaĝız. 17 km von der Küstenstrasse entfernt herrscht hier noch ein beschauliches Leben, zumal jetzt wenige Touristen unterwegs sind. | |||||
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| Hier wird gefeilscht - nicht nur um den Preis eines hübschen Armbandes, sondern auch um die Heuer für Mehmet, den Kapitän eines schmucken Bootes, auf dem wir eine mehrstündige Fahrt in die Bucht von Kekova machen wollen. | |||||
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| Zunächst steuern wir das Dorf Simena an, wo wir an Land gehen und zwischen den Häusern und kleinen Cafes zur Akropolis hochsteigen. Hier oben hat man einen fantastischen Rundblick über den Hafen und die Bucht von Kekova. | |||||
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Auf den Resten antiker Mauern wurde im Mittelalter eine Ritterburg erbaut, mit Schwalbenschwanz-Zinnen und Türmen. In der Nähe befindet sich das reizende Theater, das kleinste Lykiens; es ist vollständig in den Fels gehauen und bietet mit seinen sieben Reihen höchstens 300 Sitzplätze Personen Platz - ein Hinweis auf die Größe der Stadt. |
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| Von hier oben sieht man durch ein Burgfenster auch den berühmten frei im Wasser stehenden Steinsarkophag. | |||||
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| Weitere
Sarkophage aus römischer Zeit finden wir in der Nekropole auf dem
Höhenzug östlich der Akropolis. Bevor wir wieder zu Mehmet und seinem Boot absteigen erfrischen wir uns in einem der kleinen Cafes. |
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| In keiner Gegend Lykiens findet man so viele Sarkophage wie hier in der Bucht von Simena. | |||||
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An der Nordküste der unbewohnten Insel Kekova drosselt unser Kapitän den Motor und wir gleiten langsam über die Ruinen einer längst versunkenen Stadt. Deutlich erkennt man im türkisblauen Wasser Mauern, Rampen und Stufen. |
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| Später ankern wir in einer ruhigen Bucht um zu baden. Vor zehn Jahren stand hier noch die Apsis der orthodoxen Kirche von Tersane, eines der wenigen Zeugnisse aus christlicher Zeit; inzwischen ist auch dieser Rest verfallen. | |||||
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| Am letzten Tag dieser an Eindrücken reichen Woche fahren wir auf der kühnen Küstenstraße mit berühmten Badebuchten über Kalkan nach Patara, eine der bedeutendsten Städte des Lykischen Bundes (ca. 300 v. Chr.). Zur Römerzeit blühte Patara auf und wurde Sitz des Statthalters der Provinz "Lycia et Pamphylia". In spätbyzantinischer Zeit begann der Verfall der Stadt, ausgelöst durch die Verlandung des Hafens. Bis in die 90iger Jahre war auch das Theater mit feinem Flugsand gefüllt und mit wild wachsenden Oliven überwuchert; inzwischen ist es ausgeräumt. | |||||
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| Während uns zwischen den Trümmern des Theaters misstrauisch ein Hardun beäugt, der aussieht wie eine übergroße Eidechse, aber aus der Familie der Agamen stammt, wandern wir hinüber zum 11 km langen Sandstrand von Patara. Der feine Sand zieht im Sommer nicht nur Tausende von badefreudigen Touristen an, sondern ist auch bevorzugtes Eiablagegebiet der Meeresschildkröte (Caretta caretta), weswegen der Strand von Mai bis August bei Nacht nicht betreten werden darf. Während wir aufs Meer hinausschauen ziehen Wolken auf. In der Nacht gibt es ein Gewitter. Es scheint, dass nun auch in der Türkei der Sommer vorbei ist. | |||||
| An der Bar vom "Tamara" bin ich der einzige Gast. Der Keeper lädt mich ein; auch er ist froh, dass die Saison vorbei ist. Ich rauche eine Havana; wahrscheinlich die letzte für längere Zeit. Dazu trinken wir etliche Rakı. Dann ist Mitternacht. Es ist der 7.11.2004. Jetzt bin ich sechzig. Nicht schlecht für den Anfang. | |||||
Literaturhinweis: Türkei Südküste, ADAC Reiseführer, 4,95 €
(viel Führer fürs Geld, klein, detailliert und hilfreich)Links: