Südtirol 2005

16. - 27. August

Anfang August beschließen wir, wieder einmal nach Südtirol zu fahren. Wie immer nehmen wir die ruhige und landschaftlich reizvolle Strecke über Davos, Flüela-Pass, Engadin, Ofenpass (Schweizer Nationalpark) und das Vintschgau. Doch kurz vor Meran haben wir die Idee, einmal das vor allem durch den Eismann Ötzi berühmt gewordene Schnalstal zu besuchen und beim Schloss Juval biegen wir nach Norden ab.

Die Straße folgt einem tief eingeschnittenen Tal, das sich bald weitet. Fast am Ende des Tales, unweit vom Vernagt-Stausee machen wir Halt, um uns nach einem Quartier umzusehen. Die Auskunft vom Verkehrsamt "Alles belegt!" schreckt uns nicht besonders. Schließlich quartieren wir uns für 2 Nächte in einem mehr als 200 Jahre alten Bauernhof in der Gemeinde "Unser Frau" ein. Von hier aus wollen wir ein wenig das Tal erkunden.

Schon am nächsten Tag locken die Berge und bei schönstem Wetter brechen wir von der Skistation "Kurzras" auf in Richtung "Bellavista Hütte", die wir in gut 2 Stunden erreichen. Wolfgang war hier schon einmal, als er bei einer Ötztaldurchquerung im März 1967 von Sent aus über das Hauslabjoch die Hütte besuchte. Beim Hauslabjoch wurde am 19. September 1991 die Mumie des Mannes vom Similaun (3606 m), genannt "Ötzi" gefunden. Kein Wunder, daß Moni von der Terrasse der Hütte aus die umliegenden Gletscher nach weiteren Gletschermännern absucht.

Am nächsten Tag verlassen wir unseren rustikalen Bauernhof und das Schnalstal und besuchen zunächst noch Schloss Tirol bei Meran. Später erreichen wir Bozen; hier biegen wir in das enge und zerklüftete Eggental ab, in dem sich die kurvenreiche Straße bis zum Karerpass hochwindet. Doch zunächst müssen wir die Quartierfrage klären und finden schließlich in Deutschnofen in einer Jausenstation Unterkunft.

Vom Zimmer aus hat man einen herrlichen Blick auf die zerklüfteten kalkweißen Gipfel der Rosengartengruppe, den Latemar, das Schwarzhorn und das Weißhorn. Schon an einem der nächsten Tage steigen wir von Jochgrimm-Pass auf das Weißhorn (2313 m), wo wir die herrliche Sicht auf die umliegenden Gipfel und den Schlern genießen.

Beim Abstieg zu urigen Gurndin-Alm freuen wir uns über die Pracht der Bergflora. Auf der Alm selbst ist viel Betrieb; alle Mitglieder der vielköpfigen Familie sind emsig damit beschäftigt, Marende, Speck und Apfelstrudel zu servieren. 

An einem Regentag schlendern wir durch die schmucken Altstadtviertel von Bozen und besuchen anm Nachmittag Freunde in Villanders, wo wir im Jahre 2003 schon einmal waren [link].
Wenige Tage später wandern wir durch das ebenso wilde wie schöne Tschamin-Tal in Richtung Rosengarten. Dieses Tal gilt zu Recht als eines der reizvollsten von ganz Südtirol. Von Weißlahnbad steigen wir zunächst im Wald steil bergan und erreichen später einen Ziehweg, der uns bald auf eine große Lichtung bringt.

Die Almwiesen auf der Lichtung sind voller Herbstzeitlosen. Später überqueren wir mehrfach den Tschaminbach. Als wir den hinteren Talgrund erreichen wird der Pfad steiler und wechselt in karge, baumlose Felsregionen.

Dann ist die Hütte in Sicht und nach einigen Zick-Zack-Windungen und haben wir unser Ziel erreicht. Auf einem Felsvorsprung, überragt vom mächtigen Kesselkogel (3004 m) liegt auf 2165 m Meereshöhe die Grasleiten-Hütte.

Sie wurde im Jahre 1887 von der Sektion Leipzig des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins gebaut. In der Gaststube scheint die Zeit stehen geblieben zu sein; Mobiliar und Bilder an der Wand erzählen von vergangenen Zeiten und man spürt förmlich die Atmosphäre, als diese Hütte Stützpunkt von Bergsteigern vieler Nationen war. 

Von der geräumigen Terrasse, auf der wir eine Rast einlegen, hat man einen Blick zurück auf den schmalen Pfad, der uns vom Tschamintal heraufführte. Auf unserem Rückweg finden wir einige prächtige Exemplare vom Edelweiss.

Die Lichtung im Tal ist jetzt voller Haflinger Pferde, die ruhig in der Spätnachmittagsonne grasen. Das Tal erscheint jetzt fast menschenleer. Hier möchte man gerne noch stundenlang verweilen und die Ruhe geniessen.

Eine Wanderung durch die Bletterbachschlucht ist ein besonderes Erlebnis und eine Reise durch 55 Millionen Jahre Erdgeschichte - vom Unterperm (-280 Mio.) bis zum Mittleren Trias (-235 Mio.). Seit der Eiszeit hat sich der Bach auf 8 km Länge ca. 400 m durch unterschiedliche Erdzeitalter gegraben. Der geologische Lehrpfad durch die Schlucht ist gut beschildert und erklärt die Zeugen der Vergangenheit: Saurierspuren, Fossilien, Kopffüßler (www.bletterbach.info).

Wir nutzen einen leicht verregneten Tag, um  Trient, die Hauptstadt des Trentino und geschichtsträchtigen Stadt des berühmten Konzils (1545-1563) zu besuchen. Bei einem Cappuccion auf dem Domplatz lassen wir die Eindrücke der monumentalen Bauten aus dieser Zeit auf uns wirken. Vom Torre Civica (~1200) schweift der Blick über die erz- bischöfliche Residenz (Palazzo Pretorio) zum gotischen Dom San Vigilio und zum barocken Neptunbrunnen (1767). 

Im Stadtzentrum gefallen uns die prächtigen Renaissance-Palazzi mit ihren Rundbögen, gotischen Fenstern und Arkaden. Manche, wie der Palazzo Geremia, der Palazzo Thun und der Palazzo Colico haben herrliche, mit Fresken verzierte Fassaden und erzählen in Bildern die bedeutenden Ereignesse der Stadt und der Region.

Manche der alten Häuser sind Sitz städtischer oder regionaler Ämter und Behörden, in anderen wurden Boutiquen und Geschäfte eingerichtet. Der italienische Flair der Stadt verzaubert uns und lässt uns länger als geplant verweilen.

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