2006

Januar bis März 2006

Schon mehr als 3 Monate ist der Andelshofer Weiher zugefroren! Noch nie in den 20 Jahren, in denen ich hier beobachte, war der Winter so lang und so hart. Schon vor Weihnachten sind die letzten Bläßhühner und Stockenten

zum Bodensee abgewandert. Dort ist inzwischen die Vogelgrippe ausgebrochen; so gesehen hat das Eis auch sein Gutes: Auf diese Weise bleibt das Andele bleibt von der Seuche verschont. Am 5. März gab es noch einmal 30 cm

Neuschnee. Die Graugänse, die normalerweise Ende Februar anfangen, auf der Insel zu brüten, zupfen auf den umliegenden Feldern zwischen den letzten Schneeresten nach Graswurzeln und gefrorener Wintersaat und warten

darauf, dass die geschlossene Eisdecke auftaut. Endlich, um den 25. März herum beginnt das Eis zu tauen. Und wie!

März 2006

26.3.2006. Noch gestern war kein Vogel am Weiher zu sehen - innerhalb eines Tages war das Eis getaut, das Thermometer stieg von 5 auf knapp 20 Grad. Und in kürzester Zeit waren sie alle da: Mehr als 350 Lachmöven, fast 100 Graugänse, 50 Gänsesäger, 18 Haubentaucher, 50 Bläßhühner, 3 Kormorane, 2 Graureiher, 10 Stockenten, 12 Reiherenten, 2 Tafelenten, ein Pärchen Krickenten, 1 Kolbenente, dazu Schwarzmilan, ziehende Ringeltauben und über der Wasserfläche die ersten Rauchschwalben. Kein Zweifel:

Der Frühling ist im Linzgau angekommen!

April 2006
Am 2. April haben sich 2 Rostgänse am Weiher eingefunden. Das Wasser ist im Andelshofer Weiher seit dem Abtauen der Eisfläche auf eine Höhe gestiegen, wie ich sie in den letzten 20 Jahren noch nie gesehen habe. An diesem Tag bemerkte ich auch, wie am südlichen Damm Wasser ausgetreten ist und in größeren Lachen auf den angrenzenden Wiesen stand. Am 4. April reagierten auch die Stadtwerke Überlingen auf den erhöhten Wasserspiegel - schließlich konnte man eine Beeinträchtigung oder gar Zerstörung des Dammes nicht von vorne herein ausschließen. Am gleichen Tag rückten THW und Feuerwehr an und legten ein Dutzend Schläuche, um in den nächsten Tagen den Wasser- spiegel des Weihers um einen Meter abzusenken. 
Am 5. April schneit es noch einmal den ganzen Nachmittag - für einige Stunden ist der Winter zurückgekehrt. Einen Tag später besucht uns wieder einmal ein Pärchen Löffelenten. In den nächsten Tagen fällt der Wasserspiegel stark und auf der Insel kann wieder gebrütet werden.


Flußseeschwalbe (Foto: Ralph Martin)

Nach Ostern hält langsam der Frühling Einzug in unserer Region. Am 18. April haben sich mehr als 500 Lachmöven eingefunden und versuchen, auf der Insel einen Brutplatz zu ergattern - dabei werden sie immer wieder von 4 mächtigen Mittelmeermöven gestört. Wie immer um diese Jahreszeit sind auch einige Zwergmöven angekommen - gut ein Dutzend sowie einige Jungvögel jagen in ihrem typischen Flug über dem Wasser, begleitet von 2 eleganten Flußseeschwalben. Auf der Insel stochert ein Rotschenkel am Spülsaum nach Nahrung.

Am 19. entdecke ich auch noch einen einzelnen Schwarzhalstaucher.

Mai 2006

  Seit dem Wasserhochstand Anfang April ist der Wasserspiegel des Weiher kontinuierlich gesunken. Inzwischen hat sich die Fläche der Insel vervielfacht. Bei diesem Wasserstand werden es Haubentaucher schwer haben, erfolgreich zu brüten. Auf der Insel brüten einige Grauganspaare; leider sind die Lachmöven bis jetzt ausgeblieben.

Am 2. Mai hat sich ein Flußregenpfeifer eingefunden. Unter vielen Bachstelzen beobachte ich eine Schafstelze. Am Ufer "rupft" ein Schwarzer Milan einen erbeuteten Fisch.