Hugo Rauneker

Hugo Eugen Rauneker (18.08.1914 – 08.08.2000)

In den Schönheiten der Natur, im Blühen der Pflanzen, im Gesang der Vögel und in der Pracht der Sterne hat er uns die Augen für die Schöpfung geöffnet.

Hugo

Hugo Rauneker kam am 18.08.1914 – kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs – als Sohn des königlich-württembergischen Eisenbahnsekretärs Hugo Rauneker und der Barbara Rauneker geb. Kröner in Ulm zur Welt. Schon der Vater war sehr naturverbunden und nahm die Kinder häufig auf Wanderungen in der näheren Umgebung und in den Alpen mit.

Nach dem Besuch der Volks- und Realschule in Ulm (1921-1928) begann Hugo Rauneker 1928 ein Studium am Lehrerseminar Saulgau , das er 1934 am Oberseminar Esslingen abschloss. Prägender Lehrer in Saulgau war Josef Karlmann Brechenmacher, der 1928 Rektor am Lehrerseminar wurde und 1934 von der NS-Regierung zwangsweise in Pension geschickt wurde. Schon in Saulgau beschäftigt sich Hugo Rauneker intensiv mit Fragen der Biologie, insbesondere der Pflanzenwelt; sein engagierter Einsatz für Darwins Abstammungslehre brachte ihn am katholischen Seminar zeitweise in Schwierigkeiten.

Nach mehreren Stellvertreter-, Amtsverweser- und Lehrertätigkeiten in Ulm-Söflingen, Dettingen, Bad Cannstatt und Friedrichshafen wird Hugo Rauneker Anfang 1939 zunächst Amtsverweser, später Hauptlehrer und Schulleiter in Bremelau (Kreis Münsingen).

Den zweiten Weltkrieg verbrachter er als Beobachter bei den Marinefliegern im Baltikum, Norwegen, Griechenland und Kreta. Bei Kriegsende geriet er in Holland in englische Gefangenschaft, aus der er im August 1945 entlassen wurde.

Im Herbst 1945 kehrte er nach Bremelau zurück und leitete dort zunächst allein, später mit einem zweiten Lehrer die „Zwergschule“. In seiner Freizeit beschäftigte er sich intensiv mit der Natur, insbesondere mit der Botanik und der Ornithologie; er war aber auch als Hobbyimker aktiv. Er stand im Briefwechsel mit Dr. Karl Bertsch sowie Georg W. Brielmaier (Wangen i.A.), den er noch vom Seminar Saulgau her kannte. Mit ihm unternahm er auch mehrere Exkursionen auf die Schwäbische Alb und ins Allgäu. Bei gelegentlichen Besuchen in seiner Ulm traf er sich mit Karl Müller, dem Verfasser der ersten „Ulmer Flora“, zu gemeinsamen Exkursionen. Die Entdeckung eines neuen Wuchsorts des seltenen Herzzweiblatts in Bremelau führt zu seiner ersten botanischen Abhandlung („Das Herz-Zweiblatt Listera cordata, ein Jüngst-Einwanderer auf der Schwäbischen Alb“, in: Aus der Heimat, Heft 6, Juni 1953).

Im Herbst 1954 kehrte Hugo Rauneker in seine Heimatstadt Ulm zurück, wo er an der Meinlohschule in Ulm-Söflingen zunächst als Lehrer und Konrektor, später als Rektor und Schulleiter bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1976 tätig war. Ab 1958 leitete er botanische Führungen beim „Verein für Naturwissenschaft und Mathematik“ in Ulm. Ab 1964 bearbeitet er im Auftrag des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart das Messtischblatt 7525, Ulm NW.

Ab 1968 ist er Mitarbeiter an der „Floristischen Kartierung Mitteleuropas“.

Mit seinem Ruhestand 1976 fand Hugo Rauneker die Zeit zu der Arbeit, die als sein Lebenswerk bezeichnet werden muss. Auf vielen Exkursionen, die sich über insgesamt 16 Messtischblätter erstreckten, sammelte er zahllose Daten, inventarisierte Biotope und erstellte so ein Inventar der Flora des Raumes Ulm. Neben eigenen Beobachtungen waren auch die Daten und Hinweise von ca. 30 Mitarbeitern sowie historische Angaben aus der Literatur zu erfassen.

Nach Jahren der Recherche umfasste seine Datenbestand schließlich ca. 30.000 Daten in 20 Ordnern für insgesamt 1215 Pflanzenarten des Ulmer Raumes.

Ein weiteres Jahr benötigte er für die „Herstellung“ des Buches: Der Verein für Naturwissenschaft und Mathematik hatte ihm eine Spezial-Schreibmaschine mit austauschbaren Typenrädern zur Verfügung gestellt. Mit dieser Maschine hat er in drei verschiedenen Schriften ein Manuskript erarbeitet, das für den Druck nicht eigens mehr gesetzt werden musste, sondern direkt als photographische Vorlage dienen konnte. So ersparte er dem Verein als Herausgeber sehr viel Geld.

1984 erscheint die „Ulmer Flora“, die 1984 als 33. Heft der „Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaft und Mathematik“ in Ulm erschien.

Ab 1990 war er Mitarbeiter bei „Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“. In den 90iger Jahren arbeitete er eng mit der der „Abteilung Spezielle Botanik der Universität Ulm zusammen (Prof. Dr. Gerhard Gottsberger, Dr. Hermann Muhle, Prof. Dr. Focko Weberling).

Hugo Rauneker war Mitglied im

  • Verein für Naturwissenschaft und Mathematik Ulm
  • Deutscher Alpenverein Sektion Ulm
  • Gesellschaft für Naturkunde in Baden-Württemberg

Am 7.3.1995 wurde Hugo Rauneker vom Verein für Naturwissenschaft und Mathematik in Ulm zum Ehrenmitglied ernannt.

Neben seinem großen Wissen, das sich auch noch auf die Ornithologie und die Geologie erstreckte, war Hugo Rauneker ein nach allen Seiten neugierig wahrnehmender, weltoffener Mensch: So interessierte er sich z. B. für mittelalterliche Bodenfliesen aus dem Kloster Söflingen, sammelte und beschrieb „Grobleinensäcke – ihre Herstellung und Bedeutung für den bürgerlichen Haushalt“, suchte auf alten Dächern nach Feierabendziegeln (Dachziegel mit launischen Inschriften der Handwerker) und besaß eine Sammlung von Zeugensteinen. Lange befasste er sich auch mit dem Söflinger Barockmaler Johann Baptist Enderle, dessen Fresken und Bilder im schwäbisch-bayrischem Kulturraum er besuchte, fotografierte und beschrieb.

Nach seiner Pensionierung unternahm er mit seiner Frau Hilde, die für seine zeitaufwendigen Interessen immer viel Verständnis hatte, mehrere Reisen nach Spanien, Ägypten, Griechenland und die Türkei, wo ihn neben der Botanik auch stets kulturelle und historische Fragen interessierten.

Hugo Rauneker verstarb am 8. August 2000, kurz vor Vollendung seine 86. Lebensjahres in seiner Heimatstadt Ulm.

Publikationen:

  • Rauneker, H. (1952): Das Herz-Zweiblatt Listera cordata, ein Jüngst-Einwanderer auf der Schwäbischen Alb“, in: Aus der Heimat, Heft 6, Juni 1953
  • Rauneker, H. (1984): Ulmer Flora. Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaft und Mathematik Ulm/Donau, 33. Heft 1984.